PRESSE

Good Life
Veränderte Bewusstseinslage
Dabei ist die Wirkungsweise der Hypnose nichts Außergewöhnliches, sondern gehört zum normalen Leben. Der Amerikaner Dr. Milton H. Erickson, seines Zeichens ein Meister der Hypnose, schrieb: „Ohne uns dessen ganz bewusst zu werden, erleben wir alle die ‚gewöhnliche Alltagstrance’, wenn immer wir in einem Moment innerer Träumerei oder in Gedanken versunken sind. Während solcher Perioden verrichten wir unsere tägliche Routine nahezu automatisch, der größte Teil unserer Aufmerksamkeit ist eigentlich nach innen gerichtet, während wir uns irgendwie tiefer erleben und möglicherweise eine neue Perspektive haben oder gar ein Problem lösten. Und ähnlich können wir in der klinischen Verwendung der Trance aufnahmebereit für unser inneres Erleben und unsere unverwirklichten Möglichkeiten werden."
Tatsache ist: Fast die gesamte Informationsverarbeitung in den Milliarden Neuronen unseres Gehirns, geschieht unbewusst – ebenso wie die unzähligen physiologischen Reaktionen des autonomen Nervensystems und die Funktionen beinahe aller Organe. Jeder Mensch kennt also nur einen kleinen Teil von  sich selbst. Durch Hypnose in Trance versetzt, kann das Unterbewusste vorübergehend in den Vordergrund und das Bewusste in den Hintergrund rücken.
Hypnose ist jedoch keine Erfindung der Neuzeit. Bereits die Sumerer versetzten Kranke in Heilschlaf. Aber erst 1842 war der heutige Name geboren. Da hatte der britische Chirurg James Braid nach ausgiebigen Versuchen festgestellt, dass Menschen nach längerem Betrachten glänzender Gegenstände in eine veränderte Bewusstseinslage gerieten – in einen Zustand, dem er, nach dem griechischen Wort „hypnos“ (Schlaf), die Bezeichnung „Hypnotismus“ oder „Hypnose“ gab. Was Braid nicht wusste: Der veränderte Bewusstseinszustand während der Hypnose, die berühmte Trance, ist dem Schlaf zwar ähnlich, aber nicht gleich. Im natürlichen Tiefschlaf sind alle Sinnesorgane fast ausgeschaltet, in der Trance hingegen verbleiben auf der Gehirnrinde gewisse „Wachpunkte“. Dazu gehört etwa der Gehörsinn, weshalb der Hypnotiseur mit dem Patienten sprechen kann. Genauer gesagt: Er kann das Unbewusste ansprechen und deshalb heikle Themen anpacken, denen der Hypnotisierte „bei vollem Bewusstsein“ meist sofort aus dem Weg gehen würde. Hier liegt eines der Geheimnisse dieser Methode: Durch die verbale Suggestion des Hypnotiseurs tritt eine Verengung des Bewusstseins auf. Therapeut und Patient sind nur auf ein einziges Thema, zum Beispiel das Selbstvertrauen, fixiert. Dieses nimmt sie derart in Beschlag, dass alles, was sich außerhalb dieser „Gebanntheit“ ereignet, kaum noch wahrgenommen wird.

Wirksame Therapieform
Damit die Reise in die dunklen Tiefen der Seele klappt, sind vor allem Vertrauen und Vorstellungskraft notwendig. Der Patient muss zur Kooperation bereit sein und den Therapeuten akzeptieren – würde er jeden „Befehl“ rational auf seinen Sinn hinterfragen, liefe auch beim besten Hypnotiseur nichts. Außerdem muss der Kraft, der Fantasie und Kreativität, die – mehr oder weniger stark – in jedem von uns steckt, freier Lauf gelassen werden. Der Hypnotisierte muss sich in die Vorstellung „hineinfallen“ lassen, dass beispielsweise seine Arme schwer werden (sprich: sich entspannen), dass sich warme Wellen in seinem Körper ausbreiten (sprich: ein inneres Wohlgefühl aufkommt).

Bei Kindern wirkt und hilft Hypnose
Untersuchungen zufolge am besten. Der Grund: Nicht Leichtgläubigkeit oder Willenlosigkeit sind entscheidend für die Bereitschaft, in Trance zu verfallen, sondern vor allem die Fähigkeit, in Bildern zu denken: Eine Reise zurück in die Kindheit, da herrscht unter Fachleuten seltene Einigkeit, ist sehr hilfreich. Spätestens bei der eigenen Geburt ist jedoch Endstation. Die Reinkarnation unter Hypnose, also die so genannte Wiedergeburt, halten die Therapeuten für schädlichen Schwachsinn.
PS: Fast 70 Prozent aller Patienten profitieren von der Hypnose als Therapie. Das ergab eine aktuelle Untersuchung der Universität Konstanz. Nach der Analyse von 89 Studien mit mehr als 4000 Teilnehmern erwies sich die Hypnose besonders bei Phobien als erfolgreich. Die Erfolgsquote lag bei 72 Prozent. Der Boom als sanfte Therapieform spiegelt sich in den steigenden Therapeutenformen wider. In der Bundesrepublik nutzen bereits über 800 Ärzte oder Psychologen bzw. an die 500 Zahnärzte diese Form von Trance in ihrer täglichen Praxis.

zurück