IMPRESSIONEN

Sich selbst und dem Gegenüber unmittelbar und echt zu begegnen, hinzugeben ist wohl das größte Abenteuer auf der Reise ins oftmals Unbekannte.

"Was nützt es uns, zum Mond zu fliegen, wenn wir die Kluft, die uns von uns selbst und dem anderen trennt, nicht überwinden können. Das ist die wichtigste aller Entdeckungsreisen, und ohne sie sind alle übrigen nutzlos". 
 (Antoine de Saint-Exupéry
)      

Gerade in unserer Kultur,  wo Leistungsdruck, Konkurrenz- und Prestigedenken, Schein statt Sein und  Vereinzelung zunehmend in den Vordergrund treten, ist eine echte Begegnung ein Abenteuer, welches wohl zu Beginn einige "Gefahren" birgt. So lassen wir die Mauer in und um uns immer größer werden. Eine Mauer, die Schutz bieten soll, jedoch entfremdet, isoliert und einsam macht. Wir setzen Grenzen und wohnen hinter Gittern unserer Angst. Eine Scheinsicherheit, die früher oder später in sich zusammenfällt:  Das zeigt die beunruhigende Zahl an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Wir "begegnen" einander, spüren den anderen aber oftmals nicht, weil wir den Kontakt zu uns selbst (Gefühle, Bedürfnisse) oftmals verloren haben und aus der inneren Isolation keine erfüllende Kommunikation möglich ist. So beginnt oft eine Abwärtsspirale der Frustration, Resignation, Traurigkeit, Angst, die sich entweder  im Rückzug (Depression) oder Wut (negative Aggression) äußert. Diese Gefühle sind ein wertvolles Signal, um  destruktive,  zerstörerische Verhaltensweisen zu verändern.

„Mit der Hingabe an den anderen  ist immer ein Risiko verbunden. Wir wissen nie so genau, ob das was wir zu geben haben, auch auf einen Menschen trifft, der diese Gabe annehmen kann, der offen sein kann dafür, der sich freuen kann an der Gabe, der sich dafür begeistern, der sich verändern lassen kann und  auch wieder gibt. Es ist wichtig, dass bei diesem Geben auch ein Empfänger vorhanden ist, der auf die Gabe reagiert und in diesem Reagieren eben auch wieder gibt. Wir sind sehr verletzbar, wenn unsere Gaben nicht angenommen werden, jeder von uns kennt die Situation. Wir werden vorsichtig sein mit dem uns Geben, anfangen zu sparen, uns versichern, ob der Empfänger auch ein würdiger Empfänger ist, und damit die ganze Hingabe schon von vornherein zum Scheitern bringen, denn Hingabe kann man nicht auf Raten praktizieren. Entweder lässt man sich ergreifen von der Möglichkeit, sich zu geben, und dann ist man verwundbar, damit aber transzendiert man auch das Alltägliche, oder man ist ängstlich darauf bedacht, sich nicht zu vergeben, nicht hinzugeben, und dann ist dieses ganze Überfließende, die ganze Kraft, die in der Hingabe erlebbar werden kann, eben nicht erlebbar“. (Verena Kast /Psychotherapeutin in: sich einlassen und loslassen)

Es ist ein tiefes Streben in uns Menschen, nicht einsam zu sein.
Und es gibt nur eine einzige Möglichkeit, diese Einsamkeit zu überwinden:
Indem wir von anderen Menschen wahrgenommen und verstanden werden. Die „therapeutische Beziehung“ ist deshalb eine heilsame Beziehung, weil wir wahrgenommen, verstanden und auch gefühlt werden und jemand da ist, der auf die Gabe (ein Wort, Freude, ein Schmerz, ein Lächeln etc.) reagiert.

"Wenn wir uns auf Begegnungen nicht mehr einlassen,
verlieren wir einen entscheidenden
Bestandteil unseres Lebens.
Es ist so, als würden wir aufhören zu atmen." (Martin Buber)

 Auf echte Begegnungen kommt es an – wirklich in Beziehung zu sein mit sich selbst und dem anderen. Eine liebevolle Beziehung zu sich aufzubauen, ist also Voraussetzung dafür, eine liebevolle Beziehung zum anderen aufzubauen. Solche Begegnungen, die uns seelisch berühren, geben viel Kraft, lassen uns entfalten, geben Halt, eingebettet im "Wir" statt einem "Ich".

Diese Erfahrung gelingt nur in der Stille. Nicht vordergründige Aktivität oder äußerer Glanz und Glamour, sondern anmutsvolle Bescheidenheit und Achtsamkeit sind die Qualitäten dieses Erlebens.